
Manche Wochenenden kommen schneller als gedacht und mit weniger Vorbereitung auf die Wettkampfstrecke, als man sich vorgenommen hatte. Mein Zürich-Wochenende begann mit einem Zugticket, einem Velo im Gang und der leisen Hoffnung, dass niemand über meinen Lenker stolpert. Von Altdorf aus lief es erstaunlich entspannt, auch wenn sich ab Zug zunehmend mehr Velos in denselben Wagen quetschten – alle mit demselben Ziel, alle mit diesem leicht angespannten «Hoffentlich reicht der Platz»-Blick. Eine stille Solidarität unter Pendlern mit Startnummer im Gepäck.
Schon Tage zuvor dominierte ein anderes Thema die Gespräche: die Hitze. Kein übliches Sommer-Geplänkel, sondern ernst gemeinte Warnungen – mit Ausrufezeichen und klaren Empfehlungen, auf grössere körperliche Anstrengungen zu verzichten. Der ZC3 wurde deswegen zwar nicht abgesagt, aber man durfte kurzfristig von der Olympischen auf die Sprintdistanz wechseln, falls einem die Bedingungen zu extrem wurden. Für mich war das keine Option – Hitze hin oder her. Andere Rennen an diesem Wochenende hatten weniger Glück oder weniger Sturheit: In Nizza fielen Lang- und Mitteldistanz komplett aus, in Frankfurt wurde beim IRONMAN kurzerhand Rad- und Laufstrecke gekürzt. Zürich hingegen zog sein Programm unbeirrt durch – mit einem Schulterzucken, das fast schon stur-schweizerisch wirkte.
Vor Ort dann das gewohnte Ritual: Startunterlagen abholen, Material bereitstellen, Bike-Check-in. Alles lief ruhig, routiniert – so, wie man Dinge tut, die man schon öfters gemacht hat. Danach ging es zur Saffa-Insel, wo ich mich in Block 3 einreihte und wartete, bis ich an der Reihe war.
Ein Sprung, der überlegt sein wollte
Beim Schwimmstart galt vor allem eines: nichts überstürzen. Kein zu steiler Köpfler, kein übermütiger Sprung – der Boden war schnell erreicht und hätte ebenso schnell zum Problem werden können. Erfrischend war das Wasser trotz Hitzewelle übrigens keineswegs: knapp 27 Grad, lauwarm wie ein vergessener Tee. Fast schon ironisch bei einem Rennen, bei dem alle über die Hitze klagten.
Ich fand dennoch schnell meinen Rhythmus und konnte mich an eine Gruppe hängen, die mich regelrecht mitzog. Der Ausstieg Richtung Wechselzone fühlte sich dafür ungewöhnlich lang an, und in der Wechselzone selbst wurde es eng. Socken und Schuhe wollten partout nicht so schnell sitzen wie geplant. Typisches Wechselzonen-Chaos – dieser kurze Moment zwischen zwei Disziplinen, in dem man sich eher wie ein Statist im eigenen Rennen fühlt.



Flach, schnell, aber nicht ohne Zwischenfälle
Die Radstrecke liess sich gut fahren: flach, schnell, und erstaunlicherweise kam ich mit der Hitze besser zurecht als erwartet. Kurz vor der zweiten Runde wäre ich allerdings beinahe falsch abgebogen – die Quittung dafür, dass ich dem Racebook im Vorfeld etwas zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt hatte.
Nach rund 40 Kilometern zurück in der Wechselzone hörte ich plötzlich ein lautes Knallen – vermutlich ein Schlauch, der der Hitze nicht mehr standhielt. Ich hoffte nur, dass der betroffene Athlet sein Rennen bereits beendet hatte und nicht mit einem Platten in die zweite Hälfte starten musste.
Velo abgestellt, Laufschuhe geschnürt – und los ging’s. Der Einstieg fühlte sich leicht und fast beschwingt an. Schon nach kurzer Zeit fand ich einen Laufpartner im exakt gleichen Tempo. Dieses stille Einverständnis zwischen zwei Athlet:innen, die ohne viele Worte dieselbe Pace laufen. Wobei ganz ohne Worte stimmt nicht: Wir unterhielten uns, als wären wir auf einer lockeren Trainingsrunde unterwegs. Auf der zweiten Runde zog ich das Tempo an, setzte mich leicht ab und lief schliesslich alleine ins Ziel.
Heimwärts, mit leichtem Sonnenbrand und neuen Plänen
Im Ziel warteten Familie, Freunde und Teamkollegen von Team Rynkeby. Mit ihnen geht es am Samstag, 4. Juli, weiter nach Paris – mit dem Ziel, Spendengelder für die Kinderkrebsforschung Schweiz zu sammeln. Somit war der ZC3 ein Rennen als Zwischenstation auf dem Weg zu etwas Grösserem. Nach der Dusche folgte noch eine kleine Slapstick-Einlage: ein Notfallkauf von Velohosen, weil meine eigenen brav zuhause auf dem Bett lagen – eine Erkenntnis, die mir erst nach dem Duschen kam und die Situation nicht gerade eleganter machte.
Am Nachmittag ging es dann zurück in den Zug: müde, zufrieden und mit einem leichten Sonnenbrand als Souvenir. Es war kein Rennen mit Rekordzeiten und doch eines mit persönlicher Bestleistung, weil es meine erste olympische Distanz war. Vor allem aber war es ein Rennen mit diesem besonderen Zürcher Eigensinn: durchgezogen, wo andere absagten, angepasst, wo es nötig war und am Ende einfach ein guter, ehrlicher Tag im Wasser, auf dem Rad und auf den Beinen. Und manchmal – das habe ich in Mailand gelernt und in Zürich erneut bestätigt bekommen – ist genau das schon mehr als genug.