
Freitagabend, zwei Tage vor dem Race: Das KAFFKIEZ-Konzert in der Halle 622 in Oerlikon. Freunde, gutes Essen, gute Musik, dazwischen kurz die Startunterlagen abgeholt, weil man ohnehin schon in der Stadt ist. Keine Lehrbuch-Vorbereitung für einen Wettkampf, das ist mir bewusst. Aber das Leben nur noch nach Renntagen auszurichten, war nie mein Ziel – auch nicht bei einer Distanz, die es nach wie vor in sich hat. Solange kein Olympia-Ticket auf dem Spiel steht (und ganz ehrlich: bei meinem Tempo ist das gerade nicht das drängendste Problem), darf man sich diese Freiheit wohl nehmen.
Ganz unbelastet war die Ausgangslage trotzdem nicht: Genau eine Woche zuvor bin ich aus Neuseeland zurückgekehrt, der IRONMAN, der Trail-Halbmarathon und diverse Wanderungen noch spürbar in den Beinen. An eine spezifische Vorbereitung auf den Z10 war also gar nicht zu denken. Was daraus wurde, war stattdessen ein Rennen, das in erster Linie Spass machen sollte und ganz nebenbei die Ausgangslage lieferte für das, was in dieser Saison noch folgt. Kein Forcieren, nur die ehrliche Frage, wie viel der Körper von der Belastung der letzten Wochen bereits weggesteckt hat.
Start ist um 16.00 Uhr an der Quaibrücke – eine Uhrzeit, an die man sich als Läuferin, die sonst frühmorgens an Startlinien steht, erst gewöhnen muss. Kühl ist es, windig dazu, und schon vor dem Startschuss friere ich merklich. Kein Vergleich zur Wärme in Neuseeland, dafür mit einer Vorfreude, die alles andere aufwiegt. 10 Kilometer, das ist für mich keine Nebensache. Es ist die Distanz, mit der im Ausdauersport für mich überhaupt alles angefangen hat. Kurz, knackig, unterschätzt – wer glaubt, 10 Kilometer seien einfach eine kleine Zwischenübung, hat noch nie versucht, sie wirklich schnell zu laufen. Genau diese Intensität macht sie so reizvoll und gleichzeitig auch so anspruchsvoll.
Die ersten zwei Kilometer laufen sich erstaunlich locker. Auf die Pace schaue ich bewusst nicht, merke aber trotzdem, dass ich zügig unterwegs bin. Die Strecke führt am See entlang, vorbei am Seebad Utoquai in Richtung Zürichhorn, gesäumt von Menschen, die lautstark anfeuern – die Innenstadt an einem Sonntagnachmittag im April, mitten im grösseren Rahmen des Zürich Marathons, hat einfach diese besondere Energie.
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Die letzten zwei Kilometer
Kalt ist mir längst nicht mehr. Ab der Streckenmitte wird es zäher, Kilometerfür Kilometer ein bisschen mehr, ohne dass sich das an einem einzelnen Moment festmachen liesse. Es ist eher ein schleichendes Bewusstsein: Das hier ist kein lockerer Lauf, das ist ein 10-Kilometer-Rennen, und genau das verlangt es jetzt auch. Auf den letzten beiden Kilometern beisse ich mich durch, ohne grosse Illusionen über Restreserven – einfach durchziehen, bis der Sechseläutenplatz in Sichtweite kommt.
Am Ende steht eine neue Bestzeit. Eine Woche nach meiner Rückkehr aus Neuseeland, ohne spezifische Vorbereitung, mit einem Konzertabend statt frühem Schlafengehen davor und trotzdem schneller als je zuvor auf dieser Distanz. Vielleicht ist genau das der Formtest, den man sich wünscht: keine perfekten Bedingungen, kein cleaner Taper, einfach nur die Frage, was der Körper hergibt, wenn man ihn lässt. Die Antwort an diesem Nachmittag in Zürich war eindeutig mehr, als ich erwartet hätte. Die Atmosphäre war grossartig, und ich komme nächstes Jahr wieder – dann aber für die Königsdisziplin: den Marathon.